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SZ 26.10.10 Übung oder Ernstfall? Nur zwei wissen Bescheid
Obernkirchen (sig/jaj). Samstagmorgen, Viertel nach neun: „Ich habe soeben den Alarm ausgelöst“, ruft Carsten König, Betriebsleiter der Paritätischen Werkstatt in der Neumarktstraße und eilt davon. Beunruhigt sehen sich einige Fußgänger um. In ihren Gesichtern die Frage: „Brennt es hier irgendwo?“ Nur wenige Sekunden später heulen auch schon im gesamten Stadtgebiet die Sirenen. Zunächst in den Stützpunkt-Wehren Gelldorf und Obernkirchen, später auch in Vehlen, Krainhagen und Röhrkasten. Und so manch ein Einwohner dürfte seinen Kaffee auf dem Frühstückstisch vergessen und sorgenvoll aus dem Fenster geschaut haben.
Auf der Neumarktstraße sind einige Passanten stehen geblieben, um das Eintreffen der Feuerwehrwagen mitzuerleben. Und sie müssen nicht lange warten. Nach nicht einmal zehn Minuten rauschte schon das Gelldorfer Tanklöschfahrzeug mit Blaulicht und Sirene heran. Selbst Einsatzleiter und Stadtbrandmeister Rolf Schaper ist überrascht: „Die müssen wohl in ihrem Gerätehaus beschäftigt gewesen sein, als der Alarm ausgelöst wurde.“
Dann geht es Schlag auf Schlag. Ein Fahrzeug nach dem anderen der fünf heimischen Ortswehren trifft am Einsatzort ein. Erst jetzt erfahren auch die Feuerwehrleute, dass es sich um eine Übung handelt, bisher sind sie vom Ernstfall ausgegangen. „Auf unseren Piepern war lediglich zu lesen ,Feuer im Erdgeschoss, Obernkirchen, PGB-Werkstatt‘“, erzählt ein Feuerwehrmann, der direkt aus dem Bett zum Einsatz gefahren ist. Und das ist so gewollt. „Wir wollen ja den Ernstfall simulieren und die Zeiten messen“, erklärt Stadtbrandmeister Schaper. Nur er und sein Stellvertreter Fritz Kranz wussten daher schon im Vorfeld von der Übung.
Die Standorte der elf Wagen und die Aufgaben der gemeinsamen Übung sind präzise vorgegeben und werden zunächst vom Stadtbrandmeister und später von den Ortsbrandmeistern koordiniert. Die Ausgangslage: In einem Werkstattraum ist Feuer ausgebrochen, das sich schnell ausbreitet. Durch Späne und Sägemehl entsteht eine starke Rauchentwicklung, Menschen müssen aus einem Aufenthaltsraum im Obergeschoss über eine Steckleiter gerettet werden. Auf dem Hof des benachbarten Reifenlagers steht bereits ein Container mit alten Reifen in Flammen. Ein Übergreifen des Feuers auf Reifenlager, Schuppen und Apotheke muss verhindert werden.
„Auch bei einer Übung steht natürlich die Menschenrettung im Vordergrund“, erklärt Schaper. Dafür sind mehrere Trupps mit Atemschutzgeräten ausgestattet, die in dem weitverzweigten Betrieb auf die Suche gehen. Im Spänebunker, in der Werkstatt und im Aufenthaltsraum kämpfen Mitarbeiter durch Rauchvergiftung mit starker Atemnot, in der Lagerhalle und im Freiluftlager gibt es Verletzte durch zusammengestürzte Palettenstapel und einen Container, der sich selbstständig gemacht hat. Auch hier wird natürlich alles simuliert, doch die Einsatzkräfte sind mit Ernst bei der Sache.
„Die Wasserversorgung ist bei diesem Einsatzort eine besondere Herausforderung“, erklärt Schaper. „Wir mussten eine etwa 600 Meter lange Schlauchleitung bis zum Löschteich im Bereich Kalte Weide und Lange Straße aufbauen. Zusätzlich versorgten wir die Löschtrupps aus zwei Hydranten.“ Damit der Fahrzeugverkehr auf der belebten Neumarktstraße nicht zu lange gestoppt werden musste, wurde auch eine Schlauchbrücke aufgebaut. Und die musste viereinhalb Meter hoch sein, damit auch Lastkraftwagen sicher hindurchfahren konnten.
Die Großübung mit rund 70 Feuerwehrleuten lief sehr zu Schapers Zufriedenheit ab. „Großer Dank geht auch an die Eigentümer des Gebäudes, die diese Übung ermöglicht haben“, sagt er. Es sei immer schwerer, ein Gelände für eine Übung zu finden. Dabei braucht niemand bei einer Übung mit Wasserschäden rechnen. „Wir richten unsere Schläuche lediglich auf die Dächer oder auf Freiflächen.“ Trotz aller Zufriedenheit teilten die Einsatzleiter aber einen Wunsch mit Stadtbürgermeister Oliver Schäfer: Einen solchen Ernstfall in dem dicht besiedelten Kernstadtbereich möge es nie geben.
Bevor die Atemschutzgeräteträger mit der Menschenrettung beginnen können, muss eine Schlauchbrücke aufgebaut werden. Denn der Verkehr soll weiter fließen. Fotos: sig/jaj
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