|
SZ 27.03.12 Den Brand mit Löschlanzen bekämpfen
Vehlen (sig). Wenn die Feuerwehr ihre Schläuche ausrollt, dann ist es normal, dass sie zum Löschen Wasser spenden. Bei Fahrzeugbränden kommen oft auch Schaumlöscher zum Einsatz. In Vehlen wurden jetzt aber drei handliche Geräte mit Schläuchen verbunden, die das feuchte Nass in feinen Sprühnebel verwandeln.
Die jungen Männer an den Spritzen verschwanden nahezu in den Wolken, die aus feinsten Wassertröpfchen gebildet wurden. Dass man damit einem Feuer zu Leibe rücken kann, schien jedem uneingeweihten Zuschauer utopisch zu sein. Eine fachliche Auskunft besagte jedoch das Gegenteil. Diese unkonventionelle Löschtechnik, Fognail oder Löschlanze genannt, verspricht in ganz speziellen Fällen Erfolg. Dazu gehören Hohlraumbrände, Auto-, Dachstuhl- und Reetdachbrände. In diesen Fällen müssen keine Türen oder andere Zugänge zum Brandraum geöffnet werden. Durch den Einsatz der Löschlanzen wird eine unerwünschte Sauerstoffzufuhr und damit möglicherweise verbundene Ausbreitung des Feuers verhindert. Das Löschen erfolgt durch den mit langen spitzen Stahldüsen in den Brandraum eingeleiteten Wassernebel. Der verdampft dort fast vollständig, verdrängt den Sauerstoff und benetzt das Brandgut. Schließlich ersticken die Flammen. Die Rauchgase werden im Nebel gebunden und können durch Öffnungen nach außen abgeleitet werden. Ein weiterer wichtiger Vorteil: Wasserschäden wie bei konventionellen Löscheinsätzen gibt es nicht.
Stadtbrandmeister Rolf Schaper, der zusammen mit Bürgermeister Oliver Schäfer, der Ersterprobung beiwohnte, sieht in diesen neuen Löschlanzen eine ideale Möglichkeit, Reetdachbränden beizukommen. Das war auch ein wichtiger Grund für eine Spende von 1111,11 Euro, mit der die Stadt Obernkirchen diese Anschaffung vornehmen konnte. Gespendet hat das Geld das Arzt-Ehepaar Dr. Andreas Schulz und Dr. Ute Richter, das in Vehlen ein mit Reet gedecktes Haus besitzt und deshalb natürlich an dieser modernen Löschtechnik besonders interessiert ist. Aber immerhin gehen die Einsatzmöglichkeiten der Löschlanzen deutlich weiter. Das Arzt-Ehepaar, dessen Praxis sich in Bückeburg befindet, hat übrigens in der Vergangenheit schon manches Sozial-Projekt mit Spenden unterstützt.
Das Arzt-Ehepaar Dr. Andreas Schulz und Dr. Ute Richter spendet, Vehlens Ortsbrandmeister Christoph Schuster dankt für die Unterstützung. Foto: sig
|
|
|
SZ 25.01.12 Dorferneuerung: Ortsrat sieht Feuerwehrpläne vorn
Vehlen. Am Anfang steht eine Frage, am Ende ein empfehlender Beschluss, der der Kirchengemeinde wie Donnerhall in den Ohren klingen dürfte: Überwiegend wird der städtische Anteil an der beginnenden Dorferneuerung in diesem Jahr für die Feuerwehr verwendet, beschließt der Ortsrat Vehlen. Für die Kirchengemeinde, die in der Dorfgemeinschaftsanlage einen Eine-Welt-Laden einrichten möchte, bleibt nur ein Rest der Mittel.
48 Stunden später trifft sich Ortsratsmitglied Martin Schulze-Elvert (CDU) mit dem Architekten Volker Wehmeyer in einer ganz andern Angelegenheit. Dabei kommt er auch auf den Ortsrat und dessen Beschluss zu sprechen. Die Folge: Zehn Minuten später ruft Schulze-Elvert, der vehement für die Feuerwehrlösung eingetreten war, beim Pastor an – auf einmal sieht alles etwas anders aus.
Aber der Reihe nach. Die Sitzung des Ortsrats beginnt mit einer Frage. Haben die Gespräche zwischen Bürgermeister und Pastor denn nichts ergeben? Worauf weder Ortsbürgermeister Werner Harder noch Stadtkämmerer Andreas Jasper etwas sagen – ein Umstand, der später noch wichtig wird. Im Ortsrat fordert anschließend Horst Sassenberg (CDU) endlich Gespräche zwischen Ortsrat, Kirche und Arbeitskreis: „Das sind doch alles vernünftige Leute, die sollten sich an einen Tisch setzen – und dann Butter bei die Fische.“ Bis zu den Osterferien sollte dies geschehen sein – das seien zwei Monate, das müsse doch reichen. Schulze-Elvert sieht es dann so: In der Dorfgemeinschaftsanlage würde gefeiert, bei der Feuerwehr dafür gesessen und gearbeitet. Also: Der Löwenanteil von 40 000 Euro soll für das Feuerwehrgebäude genutzt werden, das sind 80 Prozent der Dorferneuerungsmittel, die die Stadt 2012 bereitstellt. Rückgrat zeigen, forderte Schulze-Elvert, „denn die Verantwortung liegt beim Ortsrat“. Und: „Man muss auch mal eine Entscheidung fällen.“ Schulze-Elvert spricht mit Blick auf die Feuerwehr und ihr Gebäude von einem „Mehrwert für die Gemeinschaft“. Tritt die Kirche nicht in die Dorfgemeinschaftsanlage mit ihren Plänen ein, so erklärt nun Ortsbürgermeister Harder, „dann wird es ein reines Veranstaltungsgebäude – das zu fast 50 Prozent leer steht“. Denn eine der beiden Wohnungen steht leer, die zweite wird Mitte des Jahres ebenfalls frei.
Schulze-Elvert richtet anschließend den Blick auf andere im Rahmen der Dorferneuerung angedachte Projekte – und bezweifelte, dass sie jemals umgesetzt werden würden: „Eine Verkehrsverengung der Hauptstraße?“ Für 50 000 Euro bekomme man dort bestenfalls einen Radweg. Das sollte heißen: Ob die Finanzen der Stadt Obernkirchen mehr hergeben, darf durchaus bezweifelt werden. Schulze-Elvert will eine Entscheidung, „damit wir nicht im April hier wieder sitzen und über eine Baumanpflanzung in Richtung Lidl diskutieren.“ Der Beschluss kommt: Der „überwiegende Anteil“ wird für das Feuerwehrgebäude zur Verfügung gestellt.
48 Stunden später, Schulze-Elvert unterhält sich mit Wehmeyer, ergibt sich schnell ein neues Bild, ein etwas anderes. Es habe sehr wohl Gespräche gegeben, nämlich zwei Tage vor Weihnachten, erklärt Wehmeyer: mit ihm, Pastor Günter Fischer, Kämmerer Jasper und Ortsbürgermeister Harder. Der grobe Tenor: Er, Wehmeyer, werde mal in seinem Büro durch einen Mitarbeiter kostenlos alle möglichen Varianten prüfen lassen, die für die Dorfgemeinschaftsanlage möglich sind. Wehmeyer nennt auch das Ziel: damit die Dorfgemeinschaftsanlage erhalten bleibt.
Warum weder Jasper noch Harder in der Ortsratsitzung auch nur mit einem Wort jenes Treffen und den Beschluss erwähnen, kann Wehmeyer in lapidarer Einfachheit erklären: „Wir haben strenge Vertraulichkeit vereinbart.“ Und an diese Vereinbarung hätten sich eben alle gehalten. Jasper sieht das auch so und verweist auf die berühmten ungelegten Eier. Grundsätzlich habe sich doch wenig Neues ergeben: Der Ortsrat wünsche nach wie vor, dass bei der Wehr etwas gemacht werde, und für die Dorfgemeinschaftsanlage fehle ein Konzept. Soll heißen: Legt der Arbeitskreis Dorferneuerung ein sinnvolles Konzept vor, kann immer noch umentschieden werden. Natürlich sei es ein bisschen schade gewesen, sagt Wehmeyer, dass er selbst in der Sitzung nicht anwesend war, dann hätte er mit einem Satz aufklären können: „Leute, das läuft.“ Aber der Beschluss des Ortsrates, der Feuerwehr den „überwiegenden“ Teil der Mittel zu geben, sei ja nicht in Stein gemeißelt. Und darum, so erklärt Schulze-Elvert, habe er nach dem Gespräch mit Wehmeyer auch den Pastor angerufen – um mehr oder weniger zu erklären, zumindest er sei bei seinem Beschluss nicht auf dem neuesten Stand der Dinge gewesen.
Am heutigen Mittwoch wollen sich alle Beteiligten treffen, um sich die Dorfgemeinschaftsanlage anzuschauen und nach einer Lösung zu suchen; gut möglich, dass am Schluss wieder das Aus für die Feuerwehrlösung steht: Wird die oberste Etage frei, könnte dort Platz sein für den Schulungsraum der Feuerwehr – möglicherweise. Wehmeyer erinnert in diesem Zusammenhang an einen Beschluss der gemeinsamen Sitzung des Fachausschusses mit dem Ortsrat. Egal, ob Feuerwehrgebäude oder Dorfgemeinschaftsanlage: Das Geld soll nicht aufgeteilt werden. Entweder hierhin oder dorthin.
|